Im Büro am Osterbrooksweg 60 in Schenefeld bei Hamburg geht es um Tonnagen, Lieferketten und Qualitätsstandards. Sven Schömer ist Geschäftsführer der Hanseatic Delifood GmbH, eines der führenden Unternehmen im europäischen Seafood-Handel. Im Rennanzug auf dem Autodromo Nazionale di Mugello geht es um Bremspunkte, Scheitelpunkte und Zehntelsekunden. Derselbe Mann, zwei völlig verschiedene Welten — und doch verbunden durch dieselben Eigenschaften: Präzision, Disziplin und der Wille, auf dem höchsten Niveau zu agieren.
Hanseatic Delifood: Ein Unternehmen mit Gewicht
Hanseatic Delifood ist kein kleiner Betrieb. Das Unternehmen, das Schömer als alleiniger Geschäftsführer leitet, beschäftigt rund 275 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2024 einen Jahresumsatz von 568 Millionen Euro. Gegründet 2014, hat sich das Unternehmen in nur einem Jahrzehnt zu einem etablierten Player im internationalen Seafood-Markt entwickelt. Zur Unternehmensgruppe gehören auch die Tochtergesellschaften Guba-Trade GmbH und Conti-Mar GmbH in Hamburg sowie ein Produktionsstandort in Polen, die Hanseatic Produkcja Sp. z.o.o. in Grudziądz.
Das Unternehmen ist vielfach zertifiziert — unter anderem nach IFS, ASC und MSC, was auf nachhaltige Fischerei und höchste Qualitätsstandards in der Lieferkette hindeutet. Wer ein Unternehmen dieser Größenordnung führt, hat seinen Terminkalender normalerweise bis zur letzten Minute durchgetaktet.
Und trotzdem: Motorsport
Dass Sven Schömer neben der Führung eines Unternehmens mit über einer halben Milliarde Euro Umsatz noch die Zeit und Energie findet, an acht Rennwochenenden pro Saison quer durch Europa anzutreten, ist bemerkenswert. Die Ferrari Challenge verlangt nicht nur am Rennwochenende selbst volle Konzentration — auch die Vorbereitung zwischen den Läufen, das körperliche Training und die mentale Einstellung auf den Wettbewerb fordern ihren Tribut.
Doch für Schömer scheint der Motorsport kein Gegengewicht zum Unternehmertum zu sein, sondern eine Ergänzung. Die Fähigkeiten, die einen guten Geschäftsführer ausmachen — schnelle Entscheidungen unter Druck, langfristige Strategie, Umgang mit Rückschlägen — sind auf der Rennstrecke genauso gefragt.
Der Titel als Beweis
Sein Titelgewinn in der Coppa Shell AM Europe 2025 ist der beste Beweis dafür, dass dieser Balanceakt funktioniert. Über die gesamte Saison zeigte Schömer eine Konstanz, die man von einem Gelegenheitsfahrer nicht erwarten würde: zwei Siege, neun Podiumsplatzierungen, 127 Punkte. Im direkten Duell mit Jan Sandmann, der in der zweiten Saisonhälfte massiv aufholte, behielt er die Nerven.
Am Ende steht ein Unternehmer aus Hamburg, der zeigt, dass Spitzenleistung keine Entweder-oder-Frage ist. Im Seafood-Handel wie auf der Rennstrecke gilt: Wer konstant abliefert, gewinnt am Ende die Meisterschaft.

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